Uganda mit Landcruiser und Dachzelt: Unsere Route durch den Südwesten
Die meisten Menschen haben Uganda als Reiseziel vermutlich gar nicht auf dem Schirm. Wenn es um Safari in Afrika geht, fallen eher Namen wie Kenia, Tansania oder Südafrika. Uganda läuft dabei oft unter dem Radar.
Dabei gibt es hier etwas, das es so kaum irgendwo sonst auf der Welt gibt: Berggorillas. Nicht im Zoo, nicht hinter Glas, sondern im dichten Regenwald — nur wenige Meter entfernt, eine Stunde lang. Das allein wäre schon Grund genug für eine Reise.
Für uns war Uganda aber noch mehr: die Möglichkeit, einfach loszufahren, auf eigene Faust auf Safari zu gehen und ein bisschen Abenteuer zu erleben. Mit einem Landcruiser, einem Dachzelt und einer groben Route durch den Südwesten. Kein Reiseveranstalter, keine geführten Touren, kein festes Programm — abgesehen von den Trekking-Permits. Einfach fahren, schauen und entscheiden, wo es als nächstes hingeht. Genau so, wie wir am liebsten reisen. Und Uganda hat sich dafür als perfektes Land erwiesen: gut organisierte Nationalparks, unkomplizierte Self-Drive-Safaris und Straßen, die zwar fordern, aber mit dem richtigen Fahrzeug gut machbar sind.
Hier kommt unsere Route durch den Südwesten Ugandas — mit Gorillas, Schimpansen, Autopannen und einer spektakulären Dirt Road am Seeufer, die wir so schnell nicht vergessen werden.
Unsere Route auf einen Blick
Entebbe > Äquator > Lake Mburo NP > Kabale > Lake Bunyoni & Sharp Island > Rushaga / Bwindi (Gorilla Trekking) > Lake Mutanda > Ruanda > Queen Elizabeth NP (Ishasha / Mweya / Kazinga) > Kibale Forest (Schimpansen Trekking) > Ndali Kraterseen > Fort Portal > Lake Nkuruba > Entebbe
Reisedauer: 2 Wochen, gut fahrbar ohne Stress Beste Reisezeit: Juni bis September (Trockenzeit). März wie bei uns ist Regenzeit, die Straßen können sehr anspruchsvoll sein. Fahrzeug: Landcruiser oder gleichwertiger Allradler. Ohne Allrad geht es nicht.
Praktische Tipps zum Fahren und Campen in Uganda folgen in separaten Artikeln.
Ankunft in Entebbe
Entebbe liegt direkt am Victoriasee, etwa 40 Kilometer von Kampala entfernt. Wir haben hier unseren Landcruiser übernommen, alles verstaut und das erste Mal das Dachzelt aufgeklappt. Die Stadt selbst ist entspannter als man bei einer Flughafennähe erwarten würde, gut geeignet um anzukommen und sich zu orientieren.
Was sofort auffällt, sobald man losfährt: der Verkehr. Nicht unbedingt gefährlich, aber dicht und nach anderen Regeln als bei uns. Boda-Bodas (Motorradtaxis) überall, Minibusse die irgendwo halten, viele Menschen und Tiere auf der Straße. Man gewöhnt sich daran, aber die ersten Stunden sind echte Konzentrationssache.

Erster Stopp: Äquator
Auf dem Weg nach Süden überquert man irgendwann den Äquator. Es gibt ein Schild, Souvenirläden und das klassische Experiment mit dem Wasser, das angeblich in verschiedene Richtungen abläuft (Spoiler: Es ist natürlich ein Touristentrick). Trotzdem haben wir angehalten. Manche Dinge macht man halt einfach. Wir machen einen kurzen Stopp für ein Foto und fahren weiter.
Lake Mburo Nationalpark

Lake Mburo war unser erster National Park und hat uns direkt getestet. Wir fahren rein, und keine fünf Minuten später fängt es an zu regnen. Die rote Erdstraße vor uns verwandelt sich in Sekundenbruchteilen in einen Schlammparcours und Rutschbahn. Wir schlittern schon Richtung Graben. Dann fällt uns ein, dass wir ja in einem Landcruiser sitzen. Wir bremsen kurz, schauen uns an, aktivieren Differentialsperre und 4×4 und schleichen weiter. Nach zwanzig Minuten hört der Regen auf und der Rest des Tages ist sehr schön.


Lake Mburo ist der kleinste Nationalpark Ugandas. Zebras, Impalas, Büffel und Warzenschweine gibt es reichlich. Die Warzenschweine auf der Campsite im Park waren unser persönliches Highlight dort: Die interessieren sich absolut nicht für uns. Grasen auf Knien (ja, auf Knien, das ist ihre Art zu fressen) direkt neben unserem Camp, schauen kurz hoch, fressen weiter. Am nächsten Morgen machen wir noch ein Abstecher zu einem Aussichtspunkt über den Park, dann fahren wir weiter.
Praktische Infos
- Parkeintritt: ca. 40 USD pro Person/Tag
- Campsite im Park buchbar über uwa.go.ug, einfache Ausstattung, Duschen und Toiletten vorhanden
- Für den Park reicht auch ein normales Fahrzeug, Allrad ist aber vor allem bei Regen deutlich entspannter
Kabale und Lake Bunyoni


Kabale ist eine Kleinstadt im Südwesten Ugandas, gut 400 Kilometer von Kampala entfernt. Hübsch, verschlafen, nichts Spektakuläres und wir nutzen sie nur als Durchgangsstation und um unsere Vorräte aufzufüllen. Aber der Lake Bunyoni direkt daneben gehört zu den schönsten Seen Ostafrikas. Übernachtet haben wir auf dem Parkplatz eines kleinen Resorts direkt am See. Am nächsten Morgen haben wir einen Ausflug mit dem Boot nach Sharp Island gemacht. Tausende Vögel, die über die ganze Insel verteilt in den Büschen sitzen, fliegen, rufen. Es ist laut und bunt und irgendwie surreal.

Aber dann die Weiterfahrt. Maps.me (unser Navi der Wahl, da es auch offline funktioniert) schlägt uns eine Route vor, die oberhalb des Sees verläuft. Dirt Road. Bergflanke. Aussicht: atemberaubend. Straßenbreite: ungefähr anderthalb Autos.
Wir fahren trotzdem weiter, da die Straße ist zu schmal zum Wenden und es anscheinend die kürzeste Route ist..
Drei Stunden lang dauert die Fahrt, da man nur sehr langsam vorankommt. Drei Stunden, in denen wir permanent gehofft haben, dass uns niemand entgegenkommt. Dass es nicht anfängt zu regnen. Dass die nächste Kurve keine Überraschung bereithält. Die Aussicht auf den See war wirklich wunderschön, aber es war doch insgesamt auch leicht stressig.
Rushaga, Bwindi Impenetrable Forest: Gorilla Trekking
Das absolute Highlight der ganzen Reise und vermutlich der Grund, warum die meisten Menschen nach Uganda fahren.
Der Bwindi Impenetrable Forest beherbergt rund die Hälfte aller noch lebenden Berggorillas weltweit, etwa 460 von insgesamt ca. 1.000 Tieren. Die Permits sind entsprechend gefragt und teuer.
Am Morgen selbst gibt es eine kurze Einführung, dann wird man in Gruppen eingeteilt, je nach Fitness und welche Gorillafamilie besucht wird. Wir kommen (leider) in die schwerste Gruppe. Das bedeutet: nochmal ein Stück weiterfahren zu einem anderen Startpunkt, und sich dann zwei Stunden durch den Regenwald zu schlagen, oft ohne erkennbaren Weg, querfeldein durch Gestrüpp. Der Guide schlägt mit der Machete den Pfad frei. Lianen, umgestürzte Bäume, Hitze und Feuchtigkeit umgeben uns. Es ist sehr anstrengend.


Dann stehen sie da. Der Silverback sitzt oben im Baum. Eine Mutter mit ihrem Jungtier schaut uns direkt an. Es ist wirklich magisch und so wunderschön diese tollen Tiere aus der Nähe zu sehen. Man hat insgesamt eine Stunde bei der Gruppe. Keine Beschreibung macht das wirklich fassbar. Zurück geht es den gleichen (oder einen anderen?) Weg, quer durch den Dschungel. Ohne Guides hätte ich mich definitiv komplett verlaufen.
Praktische Infos
- Permit: 700 USD pro Person (Stand 2024, zu unserer Zeit 600 USD)
- Buchung: uwa.go.ug, möglichst 3-6 Monate im Voraus, die Permits sind sehr begehrt
- Zusätzlich fällt eine Tracker-Fee von ca. 15 USD an
- Festes Schuhwerk und lange Kleidung sind Pflicht. Es wird matschig.
Lake Mutanda
Direkt an der Grenze zu Ruanda liegt der Lake Mutanda. Wir verbringen hier eine ruhige Nacht mit Blick auf die Virunga-Vulkane. Eigentlich nur als Zwischenstopp geplant, einer der schönsten Abende der Reise. Kanu fahren ist auch möglich.

Von hier aus geht es kurz über die Grenze nach Ruanda [INTERNER LINK: Ruanda Reisebericht].
Queen Elizabeth Nationalpark
Zurück in Uganda geht in den Queen Elizabeth NP, dieser ist einer der größten Parks Ugandas und in mehrere Sektoren aufgeteilt.

Ishasha Sektor
Der Ishasha Sektor im Süden ist bekannt für seine baumsitzenden Löwen. Wir fahren die Pisten auf eigene Faust ab. Self-Drive-Safari bedeutet: kein Guide, kein Zeitdruck, man kann einfach stehen bleiben und schauen so lange man will. Das ist ein Unterschied, den man schnell zu schätzen lernt. Ich würde am liebsten nur noch so auf Safari gehen, aber ist natürlich nicht überall möglich.
Mweya Halbinsel und Kazinga Kanal
Wir übernachten auf der Mweya Halbinsel, einer schmalen Landzunge zwischen Kazinga Kanal und Edward-See, mitten im Park. Abends hört man die Nilpferde. Nicht weit weg, nicht gedämpft durch Wände. Gleichzeitig etwas gruselig und wunderschön.


Die Bootstour durch den Kazinga Kanal am nächsten Tag lohnt sich auf jeden Fall!. Flusspferde und Krokodile direkt neben dem Boot, Büffel am Ufer, Wasservögel überall. Man sieht die Tiere nochmal aus einer ganz anderen Perspektive als vom Auto aus.
Weitere Stopps im Park: die Baboon Cliffs mit Blick in die Kraterseeenlandschaft, die Kasenyi Plains auf der Suche nach Leoparden, leider ohne Erfolg.

Am nächsten Tag fahren wir früh morgens nochmal los und direkt vor uns läuft doch tatsächlich eine Hyäne mit Beute vorbei. Anscheinend hat sie Junge, diese sind aber zu gut versteckt um sie sehen zu können.

Letzter Stopp an diesem Tag ist der “Top of the World” Aussichtspunkt bei einem Hotel, in dessen Garten wir auch eine Nacht verbracht haben. Der Aussichtspunkt ist ganz nett, aber aus unserer Sicht kein Muss
Praktische Infos
- Parkeintritt: ca. 40 USD pro Person/Tag
- Bootstour am Kazinga Kanal: ca. 30 USD pro Person, buchbar über die UWA oder vor Ort
- Übernachtung Mweya Halbinsel: verschiedene Optionen von einfacher Campsite bis Safari Lodge
- Self-Drive ist problemlos möglich, für den Ishasha Sektor Allrad empfohlen
Die Autopanne
Am Morgen des Schimpansen Trekkings bricht am Auto nach ca. 200 Metern etwas. Wir können nicht weiter, das Auto ist komplett blockiert. Das Trekking ist für genau diesen Tag gebucht, nicht umbuchbar und nicht billig.
Wir stehen auf einer sehr einsamen Straße und haben den ganzen Morgen noch kein anderes Auto gesehen.
Dann hält tatsächlich ein Auto. Deutsche, die uns ohne zu zögern mitnehmen, da sie ebenfalls zum Schimpansentrekking wollen. Wir drücken einem Einheimischen Geld in die Hand, damit er auf das Auto aufpasst, lassen alles außer den wichtigsten Wertsachen stehen und fahren los. Später erreichen wir die Mietwagenfirma. Ein Mechaniker kommt per Motorrad, Ersatzteile hinten drauf, repariert notdürftig, so dass wir zum Hotel zurückfahren können. Dann wird weiter repariert. Abends steht das Auto fertig wieder vor der Tür.
Mal wieder gelernt: Irgendwie kommt man immer weiter. Und die meisten Menschen sind wirklich hilfsbereit.
Kibale Forest, Schimpansen Trekking
Das Schimpansen Trekking im Kibale Forest hat uns gut gefallen, aber es ist ein anderes Erlebnis als bei den Gorillas. Die Gruppen sind größer, es ist irgendwie deutlich touristischer, dafür auch weniger anstrengend. Und die Schimpansen sind deutlich aktiver, man rennt ihnen regelrecht hinterher durch den Wald. Wenn man nicht aufpasst, wird man von oben vollgepieselt. Wer ein ruhiges Beobachten erwartet wie beim Gorilla Trekking, wird enttäuscht sein.


Praktische Infos
- Permit: ca. 200 USD pro Person
- Buchung: uwa.go.ug
- Der Kibale Forest liegt bei Fort Portal
Ndali und die Kasenda Kraterseen
Das Gebiet rund um Fort Portal ist von kleinen Kraterseen durchzogen. Von einem Aussichtspunkt oben hat man einen weiten Blick über die ganze Landschaft. Eine der visuell beeindruckendsten Gegenden Ugandas, die in vielen Reiseberichten kaum vorkommt. Fort Portal selbst hat einen botanischen Garten, schöner Spaziergang wenn man gerade eh dort ist, aber ansonsten kein Muss.

Lake Nkuruba Community Campsite
Kurz vor der Rückfahrt nach Entebbe noch eine Nacht am Lake Nkuruba, auf einer kleinen Community Campsite direkt am See. Affen kommen ins Camp und man muss seine Lebensmittel gut sichern. Einfache Ausstattung, schöne Lage, ein guter letzter Abend.
Entebbe, Rückgabe und dann: Corona
Zwei Wochen ohne Internet. Das war Absicht.
Als wir in Entebbe ankommen, das Auto abgeben und zum ersten Mal wieder ins WLAN gehen, verstehen wir zunächst nicht, was wir lesen. COVID-19 ist ausgebrochen. Lockdown. Teilweise Grenzschließungen. Die Welt hatte sich verändert. Es war schon fast surreal. Zum Glück waren die Grenzen nach Deutschland noch offen und wir haben es gerade noch rechtzeitig nach Hause geschafft.
FAQ
Kann man Uganda wirklich selbst fahren? Ja. Mit dem richtigen Auto und etwas Vorbereitung ist es gut machbar. Die Straßen sind anspruchsvoller als in Europa, aber kein unüberwindbares Hindernis. Mehr dazu im Artikel zu Fahren und Campen in Uganda [INTERNER LINK].
Wie viel kostet das Gorilla Trekking? 700 USD pro Person (Stand 2024). Buchung über uwa.go.ug, am besten mehrere Monate im Voraus.
Braucht man einen Guide? Für die Nationalparks nicht zwingend, Self-Drive funktioniert gut. Für die Gorilla und Schimpansen Trekkings ist ein lokaler Guide im Permit inklusive.
Was kostet Uganda insgesamt? Die Permits sind teuer, der Rest ist eher günstig. Campsites in den Parks liegen bei 20 bis 40 USD pro Nacht, lokales Essen ist sehr erschwinglich.
Ist Uganda sicher? Die größten Herausforderungen sind Straßenzustand und Verkehr, nicht Sicherheit im Sinne von Kriminalität. Wir haben uns jederzeit sicher gefühlt.
Kann man die Permits spontan kaufen? Gorilla Trekking nein, unbedingt vorbuchen. Schimpansen sind flexibler, aber auch hier gilt: lieber früh buchen.
Habt ihr Fragen zur Route oder zur Reiseplanung? Gerne in die Kommentare. Und wer den Ruanda-Teil der Reise lesen möchte, findet ihn hier [INTERNER LINK: Ruanda Reisebericht].





