Reisekindersitze: Mieten oder mitnehmen? Unsere Erfahrungen & liebsten Modelle
Wir lieben es mit dem Mietwagen unterwegs zu sein, doch mit Kindern stellt sich früher oder später dieselbe Frage: Wie organisieren wir das mit dem Kindersitz? Mieten wir einfach einen vor Ort, oder schleppen wir unseren eigenen mit? Wir haben beides ausprobiert, mehrfach, in verschiedenen Ländern, mit Kleinkindern und größeren Kids. In diesem Artikel teile ich unsere ehrlichen Erfahrungen, erkläre Vor- und Nachteile beider Optionen und stelle euch unsere absoluten Lieblingsmodelle für unterwegs vor.
Kindersitz beim Mietwagen dazubuchen – bequem, aber mit Tücken
Die naheliegendste Lösung klingt simpel: einfach beim Autovermieter einen Kindersitz dazubuchen, fertig. Kein Zusatzgepäck, kein Schleppen, keine extra Kosten beim Einchecken. In der Theorie ist das prima, in der Praxis haben wir dabei sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht.
Die Vorteile liegen auf der Hand: Gemietete Sitze sind auf die jeweiligen Verkehrsregeln des Landes abgestimmt. Ihr müsst nichts transportieren und spart Gepäckplatz. Für kurze Reisen oder spontane Mietwagen-Abschnitte ist das erstmal die einfachste Option.
Die Nachteile haben wir leider am eigenen Leib erlebt: In Australien z.b. hatten wir Glück, die Sitze waren top gepflegt und dem Alter unserer Kinder entsprechend. In anderen Ländern hingegen haben wir Modelle bekommen, die schon deutlich bessere Tage gesehen hatten. Risse im Bezug, wackelnde Teile, und Sitze, die nicht wirklich zur Altersgruppe unserer Kinder passten. Das ist keine Ausnahme: viele Autovermieter investieren wenig in die Pflege und regelmäßige Erneuerung ihrer Kindersitze.
Dazu kommt: Ihr seid vollständig abhängig von dem, was am Schalter gerade verfügbar ist. Habt ihr einen bestimmten Sitz gebucht, bekommt ihr am Ende trotzdem, was noch da ist. Und wer schon mal versucht hat, nachts oder am Wochenende bei einer kleinen Filiale einen Kindersitz zu reklamieren, weiß wie frustrierend das sein kann.
Der größte Nachteil zeigt sich aber außerhalb des Mietwagens: Für eine kurze Taxifahrt vom Flughafen zum Hotel, für den Shuttle zum Ausflug oder den spontanen Uber am Abend, da habt ihr schlicht keinen Sitz. Ihr steht ohne da, und das Kind fährt ungesichert mit. Das war für uns oft der ausschlaggebende Punkt.
Eigenen Reisekindersitz mitnehmen – mehr Gepäck, aber mehr Sicherheit
Irgendwann haben wir entschieden: Wir nehmen unsere eigenen Sitze mit. Ja, das bedeutet mehr Gepäck. Aber es bedeutet auch, dass unsere Kinder immer und überall sicher angeschnallt sind: im Mietwagen, im Taxi, beim Shuttle. In einem Sitz, den sie kennen, der richtig eingestellt ist und dessen Zustand wir selbst überprüft haben.
Die Vorteile sprechen für sich: Ihr seid unabhängig und flexibel. Der Sitz passt eurem Kind garantiert – ihr habt ihn selbst ausgewählt. Kein Rätselraten, ob das Modell zugelassen ist oder noch der richtigen Norm entspricht. Und gerade für Familien mit mehreren Kindern oder langen Reiseplänen rechnet sich das auch finanziell, denn Mietwagen-Kindersitze sind nicht günstig.
Der Nachteil: Gewicht und Packmaß. Ein klassischer Kindersitz ist sperrig, schwer und passt in keinen Koffer. Wer fliegt, muss ihn aufgeben. Bei den meisten Airlines (z.b. Lufthansa) geht das sogar kostenlos, auch wenn man nur Handgepäck gebucht hat. Die Sitze werden aber trotzdem im Sperrgepäck verschickt, daher fällt der Vorteil des Handgepäcks meisten wieder weg und man muss evtl. längere Wartezeiten in Kauf nehmen.
Unsere Lieblings-Reisekindersitze: Maxi-Cosi Nomad & Tanza
Wir nutzen zwei Modelle von Maxi-Cosi, die wir mittlerweile auf zahlreichen Reisen dabei hatten und auch zuhause in unserem Camper einsetzen, weil sie so platzsparend sind.
Maxi-Cosi Nomad Plus – für die Kleinen (15 Monate bis ca. 4 Jahre)
Der Nomad Plus ist unser treuer Begleiter für unsere Kleinste. Er ist superleicht (4,26 kg), lässt sich auf ein kompaktes Maß von 37,5 × 21,5 × 50,5 cm zusammenklappen und hat sogar eine wasserabweisende Reisetasche, die direkt am Sitz verbleibt. Praktischer geht’s kaum.
Was uns am meisten überzeugt: Er lässt sich in unter einer Minute mit dem normalen Fahrzeuggurt montieren. Die Gurtführung ist klar markiert, sodass auch Oma, Freunde oder der Taxifahrer verstehen, wie’s geht. Das gibt uns auf Reisen eine riesige Portion Gelassenheit.
Geeignet ist er für Kinder von 15 Monaten bis ca. 4 Jahren bzw. 9 bis 18 kg. Der integrierte Seitenaufprallschutz sorgt dafür, dass wir auch bei wilderen Fahrten ruhig atmen können.
Der einzige Haken: Kein ISOFIX. Wer darauf nicht verzichten möchte, muss sich anderweitig umschauen. Für uns funktioniert die Gurtmontage aber auf allen bisherigen Reisen reibungslos.
Maxi-Cosi Tanza i-Size – für die Größeren (ab 100 cm, ca. 4 bis 12 Jahre)
Für unser älteres Kind nutzen wir den Tanza i-Size und sind ebenfalls sehr zufrieden. Er deckt den riesigen Altersbereich von 100 bis 150 cm Körpergröße ab (15 bis 36 kg), ist also ein echter Langzeitbegleiter. Mit 5,32 kg ist er etwas schwerer als der Nomad, klappt sich aber ebenfalls kompakt zusammen (59,5 × 28 × 45 cm).
Der große Unterschied zum Nomad: Der Tanza hat ISOFIX. Das gibt zusätzliche Seitenstabilität – besonders bei Kurvenfahrten ein echtes Plus. Er ist nach der aktuellen i-Size-Norm (ECE R129) zertifiziert, also nach den höchsten europäischen Sicherheitsstandards geprüft.
Laut ADAC-Test Herbst 2025 ist er auch mit dem Gesamturteil “befriedigend” bewertet – als günstigstes Modell im Test (ab ca. 100 Euro) ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, gerade für Familien, die einen Reisesitz nur sporadisch brauchen.
Beide Sitze nutzen wir durch die geringe Breite auch in unserem Camper. Sie nehmen kaum Platz weg, lassen sich schnell auf- und abbauen und sind im Alltag genauso praktisch wie auf Reisen.
Weitere interessante Reisekindersitze im Überblick
Falls ihr noch auf der Suche seid oder ein zweites Modell für eine andere Altersgruppe braucht – hier sind weitere Optionen, die wir für euch recherchiert haben:
Chicco Fold & Go i-Size – einer der wenigen faltbaren Sitze mit bestandenem ADAC-Test (Note “befriedigend”). Geeignet für Kinder von 100 bis 150 cm, wiegt 6,2 kg und bietet sogar beim Seitenaufprall die Note “gut”. Eine solide Wahl für alle, die auf Testergebnisse Wert legen.
Walser Noemi – mit nur 3 kg das absolute Leichtgewicht unter den Reisekindersitzen. Kompakt, günstig, einfach zu transportieren. Wichtig zu wissen: Er ist im ADAC-Test 2022 wegen Schadstoffen durchgefallen, nicht wegen Sicherheitsmängeln. Wer ihn nur gelegentlich nutzt, kann das bewusst abwägen – wer täglich auf ihn angewiesen ist, sollte zu einem anderen Modell greifen.
Urban Kanga Wallaroo 2.0 – faltbarer i-Size-Sitz mit ISOFIX und praktischer Rucksacktragetasche, für Kinder von 100 bis 150 cm (ca. 3 bis 12 Jahre). Eine optisch ansprechende Option mit gutem Tragekomfort.
Mifold Hifold – für Kinder von 4 bis 12 Jahren (15 bis 36 kg). Besonders kompakt im Faltmaß (37 × 34 × 27 cm), leicht und vielseitig verstellbar. Ideal als Ergänzung für Taxifahrten oder als Zweitlösung für größere Kinder.
Trunki BoostApak – die kreativste Lösung: ein Rucksack, der gleichzeitig als Reise-Sitzerhöhung dient. Für Kinder ab etwa 4 Jahren, die keinen vollwertigen Sitz mehr brauchen. Minimalistisch, leicht, und das Kind kann den Rucksack (theoretisch) selbst tragen.
Fazit: Reisekindersitz mitnehmen lohnt sich
Unser klares Fazit nach vielen Reisen mit Kindern: Wir nehmen unsere eigenen Sitze mit und würden das jederzeit wieder so entscheiden. Die Sicherheit und Flexibilität, die uns das gibt, ist jede Mühe wert. Mit faltbaren Modellen wie dem Maxi-Cosi Nomad und Tanza hält sich der Aufwand wirklich in Grenzen – beide passen in große Koffer oder in eine eigene Reisetasche und machen keinen einzigen Ausflug zur Logistik-Übung.
Wer nur eine kurze Reise plant und ein verlässliches Angebot beim Mietwagen hat, kann natürlich auch dort buchen, aber ich würde immer nachfragen, welches Modell genau bereitgestellt wird, und mir den Sitz vor der Abfahrt genau anschauen. Traut euch, einen Sitz abzulehnen, der nicht in Ordnung ist.
Am Ende gilt: Lieber einmal mehr Gepäck als einmal weniger Sicherheit.
FAQs: Reisekindersitze
Muss ich im Mietwagen einen Kindersitz verwenden? Ja, in fast allen Ländern ist ein Kindersitz gesetzlich vorgeschrieben – unabhängig davon, ob ihr im eigenen Auto oder einem Mietwagen fahrt. Die genauen Regeln variieren je nach Land, aber grundsätzlich gilt: Kinder müssen bis zu einer bestimmten Körpergröße oder einem bestimmten Alter gesichert werden.
Sind Reisekindersitze sicher? Ja, sofern sie nach aktueller Norm (i-Size / ECE R129) zertifiziert sind. Sie bieten naturgemäß nicht denselben Schutz wie ein massiver Standard-Kindersitz, sind aber deutlich sicherer als gar kein Sitz. Für den Reiseeinsatz und Gelegenheitsfahrten sind sie eine sinnvolle und geprüfte Lösung.
Ab welchem Alter darf ich einen vorwärtsgerichteten Reisekindersitz nutzen? Erst ab 15 Monaten. Bis dahin muss euer Kind rückwärtsgerichtet transportiert werden, dafür braucht ihr eine Babyschale oder einen Reboarder.
Darf ich einen Reisekindersitz im Flugzeug als Handgepäck mitnehmen? Das hängt von der Airline und dem Modell ab. Viele faltbare Sitze passen in ein Handgepäckfach, wenn sie kompakt genug sind. Am besten vorab bei der Airline nachfragen und die Maße vergleichen.
Kann ich einen Reisekindersitz auch im Taxi nutzen? Genau das ist einer der größten Vorteile! Mit einem eigenen Reisekindersitz seid ihr auch im Taxi, Uber oder Shuttle abgesichert – und müsst nicht zwischen Sicherheit und Spontanität wählen.
Brauche ich ISOFIX bei einem Reisekindersitz? ISOFIX ist praktisch, aber nicht zwingend notwendig. Der Maxi-Cosi Nomad beispielsweise funktioniert hervorragend ohne ISOFIX über den normalen Fahrzeuggurt. ISOFIX erhöht die Seitenstabilität und macht den Einbau nochmal einfacher – wer die Wahl hat, sollte es bevorzugen.
