Unsere Route vom Ohridsee bis in die Albanischen Alpen

Albanien ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden und das nicht ohne Grund: türkisblaues Wasser, wilde Berglandschaften, uralte Geschichte und eine herzliche Gastfreundschaft. Wir sind Ende Mai zwei Wochen durch das Land gereist, mit Kleinkind und Camper, eingereist aus Nordmazedonien und ausgereist nach Montenegro. Was wir erlebt haben, war abwechslungsreicher als erwartet: von entspannten Tagen am Ohridsee über historische Altstädte und einsame Bergdörfer bis hin zu Stränden, die wirklich halten, was sie versprechen. Hier ist unsere Route mit unseren persönlichen Highlights.


Die Route auf einen Blick

Pogradec → Langarica Canyon → Gjirokastër → Syri i Kaltër → Butrint → Ksamil → Llogara-Pass → Berat → Camping Pa Emer → Shkodra → Albanische Alpen (Theth & Vermosh) → Montenegro


Pogradec: Ankommen am Ohridsee

Nach der Einreise aus Nordmazedonien haben wir ein paar Tage bei Freunden in Pogradec verbracht. Eine richtig schöne Stadt ist es nicht, aber es gibt nette Cafés und den Ohridsee direkt vor der Tür. Für uns war es gut, erst einmal anzukommen, ohne gleich die nächste Sehenswürdigkeit abhaken zu müssen.

Was ich wirklich schade fand: Der Strand ist sehr verbaut, mit Beton und Anlagen direkt bis ans Wasser. Mit Kleinkind zum Buddeln und Planschen war das leider wenig geeignet. Auch war es teilweise sehr verhüllt. Ob das in der Hauptsaison auch so ist, weiß ich natürlich nicht, aber mit Kind war das auch nicht ganz so schön.


Langarica Canyon: Alte Brücke und heißes Wasser

albanien - llangarica canyon

Ein kurzer aber schöner Abstecher auf dem Weg Richtung Süden. Der Langarica Canyon hat eine alte osmanische Steinbrücke und direkt daneben eine natürliche heiße Quelle, in der man baden kann. Das Wasser ist warm, der Ort idyllisch, und es ist nicht überlaufen. Für uns mit Kind war das unkompliziert: kurzer Spaziergang, schnell reingesprungen und wieder weitergefahren.


Gjirokastër: Die Weltkulturerbestadt im Süden

Gjirokastër hat uns wirklich beeindruckt. Die Altstadt ist seit 2005 UNESCO-Weltkulturerbe, zusammen mit Berat eine von zwei albanischen Städten auf der Liste. Die Geschichte reicht weit zurück: Schon in vorchristlicher Zeit gab es hier eine Siedlung, im Mittelalter wurde die Burg ausgebaut, und unter osmanischer Herrschaft entwickelte sich Gjirokastër zu einem wichtigen Handelszentrum. Die charakteristischen mehrgeschossigen Steinhäuser mit Uhrturm und Wehrtürmen sind das Markenzeichen der Stadt, viele davon kann man heute besichtigen.

Wir haben uns stundenlang durch die Gassen des Bazarviertels getrieben: Souvenirläden, kleine Cafés, der Geruch von Kaffee aus den Lokalen. Die Burg über der Stadt bietet eine schöne Aussicht und hat innen mehrere Museen.

Wer mit Kinderwagen unterwegs ist: Das Kopfsteinpflaster zieht sich durch fast die gesamte Altstadt. Es geht zwar, aber es ist kein Vergnügen. Wir haben den Buggy gleich stehenlassen und sind zu Fuß gegangen.

Eintritt & praktische Infos

  • Burg: ca. 400 Lek (ca. 4 €) pro Person, Kinder unter 12 Jahren frei. Museum in der Burg: weitere 200 Lek
  • Öffnungszeiten Burg: April bis September täglich 9 bis 19 Uhr, Oktober bis März 9 bis 17 Uhr
  • Tipp: Wer mehr Zeit hat, lohnt sich auch ein Besuch des Zekate-Hauses (eines der besterhaltenen osmanischen Wohnhäuser) oder ein Spaziergang durch das Viertel Manalat, wo es kaum Touristengruppen gibt

Syri i Kaltër: Das Blaue Auge

Das Blaue Auge ist eine Karstquelle, aus der unaufhörlich eiskaltes Wasser aus einer Tiefe von mindestens 50 Metern sprudelt. Das Wasser schimmert in einem unglaublichen Blau, das sich zum Rand hin in Türkis- und Grüntöne verändert. Die Temperatur ist ganzjährig konstant bei etwa 12 Grad Celsius. Das Baden ist offiziell verboten.

albanien - siry i kalter

Vom Parkplatz ist es nur ein kurzer Spaziergang von etwa fünf bis zehn Minuten zur Quelle, der Ort selbst ist in ein paar Minuten gesehen. Wirklich schön und idyllisch, aber wir wären ehrlich gesagt nicht extra deswegen angereist. Als Stopp auf dem Weg zwischen Gjirokastër und Ksamil ist es ideal.

Eintritt & praktische Infos

  • Eintritt: ca. 200 Lek pro Person (ca. 1,80 €), zahlbar an einer Schranke vor dem Gelände
  • Parkplatz extra: ca. 3 Euro für PKW, für Camper etwas mehr

Butrint: Antike Ruinen im Nationalpark

butrint

Butrint ist ein archäologisches Ausgrabungsgelände und gehört zu den spannendsten Orten in ganz Albanien. Die Geschichte hier umspannt mehr als dreitausend Jahre: von den Griechen gegründet, von den Römern kolonisiert, von den Byzantinern erweitert, an die Venezianer verkauft und schließlich von den Osmanen erobert. Auf dem Gelände trifft man deshalb auf griechische Tempel, ein römisches Theater, byzantinische Mosaike und eine venezianische Festung, alles nebeneinander. Seit 1992 steht Butrint auf der UNESCO-Welterbeliste.

Das Gelände liegt mitten in einem Nationalpark direkt am Wasser, die Natur ist Teil des Erlebnisses. Wir haben uns gut zwei Stunden Zeit gelassen und fanden es sehr lohnend. Wer es etwas ausgiebiger mag, sollte drei bis vier Stunden einplanen.

Eintritt & praktische Infos

  • Eintritt: ca. 1.000 Lek (ca. 10 €) pro Person. Kinder unter 12 Jahren frei, 12 bis 18 Jahre ca. 300 Lek
  • Öffnungszeiten Sommer (April bis Oktober): 8:30 bis 20:00 Uhr (letzter Einlass 18 Uhr). Winter (November bis März): 9:00 bis 17:30 Uhr
  • Tipp: Früh morgens fahren, dann hat man das Gelände fast für sich. Bequeme Schuhe und ausreichend Wasser mitbringen, Verpflegung vor Ort gibt es kaum
  • Mit Kleinkind gut machbar, das Gelände ist zwar groß, aber einigermaßen eben

Ksamil: Türkisblaue Strände im Süden

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Ksamil war eines der Highlights der Reise. Das Wasser ist wirklich so türkisblau wie auf den Fotos, der Sand hell, und es gibt mehrere kleine vorgelagerte Inseln, zu denen man schwimmen oder mit einem Boot übersetzen kann. Wir waren in der Nebensaison dort und es war angenehm ruhig. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es im Juli und August hier sehr voll wird.

Mit Kleinkind ist Ksamil sehr gut geeignet: flaches Wasser, kein Wellengang, viele Restaurants direkt am Strand.

Praktische Infos

  • Ksamil liegt direkt neben dem Nationalpark Butrint, beide lassen sich gut an einem Tag kombinieren
  • Im Hochsommer sehr voll, Nebensaison (Mai/Juni und September) deutlich angenehmer
  • Für eine Bootsfahrt zu den Inseln direkt am Strand fragen, Preise variieren

Llogara-Pass: Wandern über der Riviera

albanien

Der Llogara-Pass auf etwa 1.027 Metern Höhe trennt das Hinterland von der albanischen Riviera. Die Aussicht auf die Küste von oben ist beeindruckend, und im Pinienwaldgebiet rund um den Pass gibt es einige schöne Wandermöglichkeiten. Wir haben eine kürzere Runde gemacht, die gut mit Kind zu schaffen war. Der Pass selbst ist auch als Stopp auf der Durchfahrt schön, wer keine Wanderschuhe dabei hat.


Berat: Stadt der tausend Fenster

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Berat ist gemeinsam mit Gjirokastër UNESCO-Weltkulturerbe. Die Stadt wird wegen ihrer charakteristischen weißen osmanischen Häuser mit den vielen Fenstern, die sich den Hang hinaufziehen, als “Stadt der tausend Fenster” bezeichnet. Tatsächlich ist der Anblick von unten beeindruckend. Wir sind bis hoch zur Burg gelaufen, von dort hat man eine tolle Aussicht über die Stadt und das Tal des Flusses Osum.

Auch hier gilt: Kopfsteinpflaster und Steingassen. Mit Kinderwagen eher mühsam, mit Tragetuch oder Kraxe gut machbar.

Eintritt & praktische Infos

  • Burg (Kalaja): Eintritt frei, jederzeit zugänglich
  • Im Burgbereich gibt es mehrere Kirchen und Moscheen, einige haben kleinere Eintrittspreise
  • Für den Aufstieg feste Schuhe empfehlen, es ist steil

Camping Pa Emer: Unser liebster Stopp

Albanien: Route für 2 Wochen mit dem Camper 1

Dieser Campingplatz direkt am Meer war einer der schönsten Plätze der gesamten Reise. Alles ist liebevoll gemacht: kleine Terrassen, Schatten unter Bäumen, eine vorgelagerte Insel, die man zu Fuß oder schwimmend erreichen kann, und dort ein kleines Restaurant. Wir haben hier ein paar Tage einfach nichts gemacht, außer schwimmen, essen und den Kindern beim Buddeln zuschauen.

Praktische Infos


Shkodra und Shkodrasee

Im Norden Albaniens liegt Shkodra, eine der ältesten und kulturell reichsten Städte Albaniens, mit venezianischer Rozafa-Burg, die über der Stadt thront. Der nahe Shkodrasee ist einer der größten Süßwasserseen des Balkans und liegt an der Grenze zu Montenegro. Wir haben auf einem Campingplatz direkt am See übernachtet, mit Bademöglichkeit. Schön und unkompliziert, allerdings auch recht voll.

Praktische Infos

  • Rozafa-Burg: Eintritt ca. 200 Lek (ca. 2 €)
  • Shkodra ist auch ein guter Ausgangspunkt für die albanischen Alpen

Albanische Alpen: Theth und Vermosh

Das war für mich persönlich das Highlight der Reise. Die albanischen Alpen sind wild, grün und noch kaum touristisch erschlossen. Die Straßen sind abenteuerlich, die Dörfer klein, und die Gastfreundschaft hoch.

Theth

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Das kleine Bergdorf Theth liegt im tief eingeschnittenen Tal des Flusses Shala, umgeben von über 2.000 Meter hohen Bergspitzen. Markant heraus sticht der Radohima (2.568 m). Das Dorf hat sich in den letzten Jahren zum bekanntesten Wanderort in Albanien entwickelt, ist aber trotzdem noch weit entfernt von Massentourismus.

Wir haben bei einer Familie im Garten übernachtet (in Theth gibt es viele solcher Gästeplätze, auf denen man zelten oder im Zimmer übernachten kann) und eine Wanderung zum Wasserfall gemacht.

Wandermöglichkeiten in und um Theth

  • Grunas-Wasserfall (leicht, ca. 1,5 Stunden hin und zurück): Von einer Quelle in der Felswand stürzt das Wasser 30 Meter in die Tiefe, auf dem Weg dorthin führt eine kleine Brücke über den Grunas-Canyon. Mit Kind gut machbar, das war unsere Tour.
  • Syri i Kaltër von Theth (das “Blaue Auge von Theth”, nicht zu verwechseln mit dem im Süden): Eine Wanderung, die über den Grunas-Wasserfall hinaus zum Blue Eye führt, dem türkisfarbenen Bergsee. Etwas länger, aber lohnend.
  • Theth nach Valbona (anspruchsvoll, Ganztageswanderung): Die bekannteste Wanderung in den albanischen Alpen umfasst etwa 17 Kilometer und nimmt sechs bis acht Stunden in Anspruch. Sie führt über einen malerischen Pass und durch eine der schönsten Landschaften der albanischen Alpen. Diese Tour ist Teil des Fernwanderwegs “Peaks of the Balkans”, der in zehn Etappen durch Albanien, Montenegro und Kosovo führt. Mit kleinen Kindern nicht geeignet, für erfahrene Wanderer aber ein absolutes Highlight.

Vermosh

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Das nächste Tal, noch ruhiger als Theth. Auch hier wieder Übernachtung bei einer einheimischen Familie im Garten, selbst gemachtes Essen, und eine tolle Landschaft. Vermosh liegt direkt an der Grenze zu Montenegro und ist der nördlichste bewohnte Ort Albaniens.

Wer Albanien besucht, sollte sich für die Alpen unbedingt Zeit einplanen. Es ist der unbekanntere Teil des Landes, und genau das macht ihn so besonders.

Praktische Infos Albanische Alpen

  • Die Straße nach Theth ist eine Schotterpiste und in schlechtem Zustand, war mit unserem Camper aber kein Problem
  • Übernachtung bei Einheimischen: ca. 10 bis 15 Euro pro Person, oft inklusive Frühstück oder Abendessen
  • Beste Reisezeit für Wanderungen: Juni bis September, im Winter sind die Pässe oft nicht passierbar
  • Wer die Wanderung Theth–Valbona plant: frühzeitig starten, Verpflegung mitnehmen

Fazit: Lohnt sich Albanien mit Kind?

Ja, eindeutig. Albanien ist vielseitiger als die meisten Reisenden erwarten, und mit einem Kleinkind gut zu bereisen, solange man flexibel bleibt und keine perfekte Infrastruktur erwartet. Die Strände im Süden sind ideal für kleine Kinder, die Natur in den Bergen ist unvergesslich, und die Menschen sind durchgehend herzlich und hilfsbereit.

Was wir das nächste Mal anders machen würden: mehr Zeit in den Alpen einplanen und Pogradec etwas kürzer halten. Zwei Wochen reichen gut für eine erste Runde, aber Albanien hat mehr zu bieten, als in zwei Wochen passt. Tirana haben wir beispielsweise ausgelassen, da wir nicht so die Städtemenschen sind, aber auch das wäre noch ein weiterer Punkt auf einer längeren Reise.


FAQ: Albanien Reise mit Kindern

Ist Albanien mit Kleinkind bereisbar? Ja. Besonders die Strände rund um Ksamil sind ideal für kleine Kinder: flaches, ruhiges Wasser und heller Sand. In historischen Altstädten wie Gjirokastër oder Berat ist das Kopfsteinpflaster mit Buggy mühsam, aber mit einem Tragetuch oder Kraxe gut zu bewältigen.

Brauche ich für Albanien ein Visum? EU-Bürger benötigen kein Visum für Albanien. Ein gültiger Personalausweis reicht für die Einreise.

Welche Währung gilt in Albanien? Der albanische Lek (ALL). In touristischen Gebieten werden manchmal auch Euro akzeptiert, aber es empfiehlt sich, Lek dabei zu haben. An Geldautomaten in den größeren Städten kommt man gut ran.

Wie sind die Straßen in Albanien? Sehr unterschiedlich. Auf den Hauptverbindungen ist es inzwischen gut ausgebaut. In den albanischen Alpen, rund um Theth und Vermosh, sind die Straßen aber wirklich ruppig. Allradantrieb oder zumindest ausreichend Bodenfreiheit ist dort keine Übertreibung.

Wann ist die beste Reisezeit für Albanien? Mai, Juni und September sind ideal: nicht zu heiß, weniger Betrieb an den Stränden, angenehme Temperaturen für Wanderungen. Im Juli und August ist es an der Küste sehr voll und sehr heiß.

Kann man in Albanien wild campen? In vielen Teilen des Landes ist das geduldet, vor allem in den Bergen. An der Küste gibt es gut ausgestattete Campingplätze, von denen einige wirklich sehenswert sind. In der Hauptsaison unbedingt früh buchen.

Wie viel kostet eine Albanienreise? Albanien ist im Vergleich zu Westeuropa günstig. Übernachtungen bei Einheimischen in den Bergen kosten oft nur 10 bis 15 Euro, lokales Essen ist preiswert, Campingplätze an der Küste liegen im Sommer bei 20 bis 30 Euro die Nacht.

Wie lange sollte man für Albanien einplanen? Zwei Wochen reichen für eine gute erste Runde, wenn man von Süd nach Nord oder umgekehrt fährt. Wer die Alpen ausgiebig erkunden möchte, sollte mehr Zeit einplanen. Miteinplanen sollte man bei Campingtouren auch die lange Anreise.

Welche Wanderungen in Theth lohnen sich für Familien mit Kindern? Für Familien mit kleineren Kindern ist die Wanderung zum Grunas-Wasserfall gut geeignet: kurz, schön und nicht zu anspruchsvoll. Die große Überquerung nach Valbona (ca. 17 km, 6 bis 8 Stunden) ist eher etwas für Wanderer ohne Kleinkind.